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Olli Sroweleit

Und ob ich schon wanderte im finsteren Digi Tal den analog ist trotzdem immer bei mir

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Anfang der Neunziger hatte ich mich dazu entschlossen, meinen (fast) krisensicheren Job als Energiegeräte-Elektroniker bei AEG-Schiffbau in Hamburg auf Grund diverser, sagen wir mal persönlicher, Schwierigkeiten auf- und mich nun voll und ganz meinem eigentlichen Berufswunsch hinzugeben. Das war damals noch nicht so ganz einfach, ohne richtige klassische Musikausbildung.

Ich hab‘, wie der Zufall es dann so wollte, jemanden kennengelernt, der für eine Hamburger P.A. Company gearbeitet hat (nein, nicht Amptown oder Procon, es gab auch noch andere). Ich hab ́ dann den damals üblichen Weg, vom Kisten schieben bis ans F.o.H.-Pult (Front of House, das Mischpult was beim Konzert immer im Weg steht) gemacht und dabei natürlich eine Menge gelernt. Nach einiger Zeit bin ich dann in der Hamburger Markthalle gelandet und habe dort dann als Freelance Techniker ca. drei Jahre lang gearbeitet. Mir sind dort so illustre Kapellen wie Nirvana, Smashing Pumpkins, Beastie Boys, Hole, usw., usw., usw. vor ́s Monitor-Pult gekommen.

Ein weiteres Highlight war noch die Kunstausstellung „The Future will be like Perfume“ von Brian Eno, bei der ich das „Sounddesign“ von Brian technisch umgesetzt habe, und verantwortlich dafür war, dass die Ausstellung die gesamten drei Monate auch reibungslos lief (seitdem weiß ich, wie man C90-Cassetten schneidet).

Später bin ich dann durch eine befreundete Band, die Shifty Sheriffs, im „Heartbeat-Studio“‘ in Köln bei Paul Grau gelandet, wo ich eigentlich nur zwei Wochen auf Probe arbeiten wollte, um zu sehen, ob mir der Studioalltag auch gefällt. Aus den ursprünglich geplanten 14 Tagen sind dann acht Jahre geworden. Bei Paule musste ich allerdings dann auch wieder ganz unten, mit dem allseits bekannten und berühmt-beliebten „Kaffeekochen“ anfangen. Mit Paul hab ich diverse Platten im In- und Ausland aufgenommen. Zuerst noch klassisch analog (wir hatten zu Anfang noch keinen Computer). Wir haben noch richtige 24 Spur 2 Zollbänder geschnitten (jaja!), und bei 46 Spuren war Schluss. Wir haben dann im Zuge der globalen Aufrüstung auch ein Protools-System angeschafft. Nachdem Paul sich entschlossen hatte, nach Spanien auszuwandern, hat Wolfgang "Stackman" Stach (Guano Apes, Emil Bulls, Such a Surge, Jupiter Jones) das „Heartbeat-Studio“ übernommen und wir haben dann das Studio noch rund zwei Jahre zusammen betrieben. Zwischendurch habe ich noch diverse eigene kleine Produktionen gemacht, von denen eine, nämlich die Band Sincere, mich dann nach Belgien verschlagen hat. In den Studios (MotorMusic in Antwerpen und Jet Studio in Brüssel), in denen ich für die Kollegen gearbeitet habe, gab es interessanterweise kein Midi, und ich, bis dato bekennender Logic Audio Fan, musste mich mit der Protools-Software auseinandersetzen. Seitdem bin ich sozusagen konvertiert und Fan dieses Programms. Nach meiner Zeit in Köln bin ich dann nach Hannover gezogen und habe dort viel mit dem Produzenten Jens Krause (Fury in the Slaughterhouse, Cultured Pearls, die Prinzen), aber auch den Furys direkt gearbeitet oder auch Auftragsarbeiten für das Peppermint-Park-Studio gemacht. Nebenbei habe ich mit Kai Wingenfelder von den Furys noch das Produzentenduo „Das Gesetz“ gegründet, bei dem wir versuchten, jungen deutschen Bands, abseits der großen Plattenfirmen, die Möglichkeit zu geben, ihre Musik zu produzieren und zu veröffentlichen, was ich quasi jetzt hier im Studio-Nord-Bremen auch wieder versuche. Ich würde mich als klassischen Aufnahme-Engineer bezeichnen. Die Nachbearbeitung der „Takes“, im Besonderen das Editieren der Drums, ist schon fast ein Steckenpferd von mir. Ich hab ́ zwar auch schon die eine oder andere Platte gemischt, aber der wirkliche Spaß liegt bei mir in der Aufnahme selbst. Vor allen Dingen, wenn die Aufnahmesituation nicht gerade die Beste ist und man sich wirklich mal ein paar Gedanken machen muss, wie man das Ganze realisiert. Seit meiner Zeit auf der Nordseeinsel Spiekeroog, wo ich das „Galerie- und Künstlerhaus“ technisch in allen Belangen (ich meine von der Klospülung bis zum Videoserver) betreut habe, nahm der Part „Video, Film und Fotografie“ einen großen Teil meines Interesses in Beschlag. Was in meiner letzten Beschäftigung als Technischer Koordinator bei Maritime-Video-Applications nur noch gefördert wurde. Nicht, dass ich es allen Cuttern, Fotografen und Kameraleuten gleich tun mochte, ganz im Gegenteil, aber als Verantwortlicher für die technische Ausstattung und das Funktionieren der Systeme bekommt man einen guten Einblick in die Materie und wird auch mit Schwierigkeiten konfrontiert, die dem „normalen“ Betrachter gar nicht einfallen würden. Der würde einfach nur denken: „blödes Bild oder mistiger Film“. Wie auch immer… Ich dachte jedenfalls, in der Audiotechnik wäre schon ein gewisses Formate-Wirrwar, aber das ist eher Kinderkram im Gegensatz zu dem, was in der Video- und Filmtechnik abgeht, vor allen Dingen seit HD bezahlbar geworden ist.

So! Das war ein extrem gekürzter (haha) Einblick in meine bisherige Laufbahn. Ich hoffe, es war einigermaßen informativ und hat ein bisschen Spaß gemacht, etwas über mein Leben und mich zu lesen.

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